Entscheidung zu Sanierung von Krumbacher Mehrzweckhalle und Feuerwehr

Das Biebertaler Gemeindeparlament hat nahezu einstimmig für die Modernisierung der beiden maroden Gebäude im Ortsteil Krumbach votiert.
Ein Neubau, wie bis vor Kurzem für notwendig erachtet, ist damit vom Tisch und für die Krumbacher eine lange Wartezeit zu Ende.
Seit längerem ist die Mehrzweckhalle in Krumbach u.a. wegen Schäden im Flachdach mit Wassereinbrüchen geschlossen, so dass Vereine, Kita und Familien die MZH nicht mehr nutzen konnten.

JA; lange, sehr lange hat es gedauert bis diese Entscheidung gefallen und das Bibbern der Krumbacher um einen Versammlungsort in ihrem Ortsteil zu Ende gegangen ist; bis das Versprechen der Parteien an die Krumbacher eingelöst wurde.

Umso erstaunlicher ist es, dass nun doch und so kurzfristig in der langzeitigen Planung eine Sanierung der bestehenden Gebäude stattfinden soll. Denn zuvor war gutachterlich festgestellt worden, dass nur ein Abriss der Mehrzweckhalle Sinn mache und ein Neubau hermüsste. Die eingereichten Planungen waren allerdings horrende teuer; wobei der Feuerwehrteil, der mit der MZH eine gemeinsame Wand teilt, bislang nicht einmal mit in der Planung war.  
Dabei wurde in der letzten Legislaturperiode intensiv mit dem Ortsbeirat, mit hohem Zeitaufwand vieler Beteiligter, und verschiedenen Architekturbüros gearbeitet und von Seiten der Gemeinde – aus heutiger Sicht – gutes Geld, das der Kommune sowieso fehlt, effektfrei versenkt. Das gute an solchen Entscheidungen ist ja, dass Bürgerinnen und Bürger die Kosten tragen und die Entscheider*innen unbehelligt bleiben.

Auch diesmal wurden mit der Gemeinde und dem Krumbacher Ortsbeirat zahlreiche Gespräche geführt. Aus denen hatte Sebastian Moos vom Vetzberger Planungs- und Architekturbüro Moos+ GmbH die architektonischen Entwürfe immer wieder neu an die Wünsche und preislichen Vorstellungen angepasst.

Wie oben im Bild sollen nun die Mehrzweckhalle und die Feuerwehr (rechts) nach den vorgesehenen Sanierungen und Umbauten künftig aussehen.
Im jetzt verabschiedeten Konzept haben die MZH und das ebenfalls stark sanierungsbedürftige Feuerwehrgerätehaus aus Einspargründen keine ausgebauten Dachgeschosse mehr, sondern Pultdächer, die aus nur einer geneigten Dachfläche bestehen. Die größte bauliche Veränderung ist die Erweiterung des großen Saals der Mehrzweckhalle nach vorne; der Saal soll später individuell teilbar sein, was zwei gleichzeitige Veranstaltungen oder sportliche Betätigungen ermöglicht. Auf Wunsch örtlicher Vereine werden zudem die Lagerungsmöglichkeiten, etwa für Spielgeräte, ausgeweitet. Umkleiden, Küche, Theke und Sanitäranlagen will man modernisieren und zusätzlich einen Multifunktionsraum, unter anderem für ärztliche Sprechstunden, schaffen. Der Eingangsbereich wird von der Seite zwischen beide Gebäude verlegt. Darüber hinaus werden die Fassaden rundum energetisch saniert sowie Fenster und Bodenbeläge erneuert. Und die seitlich links gelegenen Parkplätze bleiben allesamt erhalten. Im Feuerwehrgerätehaus sollen getrennte Umkleiden entstehen, die Sanitäranlagen werden modernisiert und ein Büro für die Einsatzleitung geschaffen. Die Ausmaße dieses Gebäudeteils bleiben jedoch unverändert.

Obwohl während der Gemeindevertretersitzung aus dem Zuschauerraum Kommentare verboten sind, brandete im Bürgerhaus Rodheim nach der Entscheidung der gewählten Bürgerrepräsentanten von den rund 50 zur Sitzung erschienenen Krumbachern lautstarker Beifall auf.
Gruß war die Erleichterung, dass die geunkten Befürchtungen: „am Ende blieben Krumbacher Interessen wieder einmal auf der Strecke“, nicht in Erfüllung gingen. Ad hoc löste sich die inzwischen aufgestaute Wut förmlich in Luft auf.

Ortsbeiratsvorsitzender Hartmut Decher bedankte sich „im Namen aller Krumbacher herzlich“ bei Gemeindevertretern und Projektbeteiligten für die nun gefällte Entscheidung. Denn eine solche Millioneninvestition werde auch von den Bewohnern der anderen Ortsteile mitgetragen. Es steht zu vermuten, dass das Projekt eine weitere Erhöhung der Grundsteuer B nach sich ziehen dürfte.
Geschätzte 4,3 Millionen Euro (Mehrzweckhalle) und 1,4 Millionen Euro (Feuerwehr), inklusive jeweils 10 Prozent eingerechneter Teuerungsrate, soll das Ganze kosten.

Wieder werden beide Maßnahmen zu einem Gesamtpaket geschnürt, wobei die Gemeinde vom Parlament beauftragt ist, nun Förderanträge zu stellen.
Da für solche Förderanträge erst einmal Fördertöpfe gefunden und Bewerbungsverfahren durchlaufen werden müssen, wird diese Vorgehensweise für die Krumbacher weiter Jahre an Verzicht bedeuten.
Dabei werden die Baukosten bis zum möglichen Baubeginn weiter gestiegen sein, so dass die zumeist relativ klein ausfallende Fördersumme von Inflation und Kostensteigerung aufgefressen werden. Am Ende sind staatliche Projekte dann oft deutlich teurer, als geplant. Solches „eingeholt werden von der Realität“ ist auch uns hier bekannt und wird von allen Biebertalern alljährlich mit einem Spitzensteuersatz bei der Grundsteuer bezahlt.
Nach den Erfahrungen mit dem Feuerwehrstützpunkt Mitte und dem Bauhof darf man gespannt sein, ob die Mehrheitspartei in der Gemeindevertretung auch dieses Mal durchsetzen wird, die Federführung wieder in die Hände der Bauabteilung der Gemeinde zu legen oder ob Lerneffekte greifen und die Sanierung einem Generalübernehmer für einen Festpreis anvertraut wird. Entgegen fachlichem Anraten wurde derart kostensparendes Entscheiden ja beim Bau in Rodheim und beim Kindergartenausbau in Vetzberg nicht beachtet. Wer einen durchdachten Bauplan hat, braucht während der Bauphase nichts umplanen.

Quelle: Gießener Anzeiger, Frank-Oliver Docter, 10.9.26, neue MZH Biebertal Krumbach + Feuerwehr; Foto: Docter

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